be'ir Friburg bimedinat Brisgoj' = in der Stadt Freiburg in der Provinz Breisgau

Der jüdische Drucker Israel Sifroni in Freiburg

Israel ben Daniel Sifroni (Zifroni), im italienischen Guastalla geboren, wurde in Italien zum Drucker ausgebildet und arbeitete vermutlich für Vincenzo Conti in Cremona und Sabbioneta.

1578 wurde Sifroni in der Druckerei der protestantischen Familie Froben in Basel angestellt, um die Leitung eines neuen Talmud-Drucks im Auftrag von Simon Günzburg aus Frankfurt am Main zu übernehmen. Zwar war zu dieser Zeit Juden der Aufenthalt in Basel untersagt, doch konnte der Druckereiinhaber Ambrosius Froben bei den Basler Behörden eine Aufenthaltsgenehmigung für Sifroni erreichen, da das umfangreiche Projekt nur unter der Aufsicht eines erfahrenen jüdischen Druckers umzusetzen war. Von 1578 bis 1583 druckte Sifroni im Hause Froben neben der besagten Talmudausgabe einige weitere hebräische Werke und zuletzt – nicht bei Froben, sondern bei Thomas Guarin – einen Nachdruck des jiddischen Pentateuch, den er um den 20. Februar 1583 fertigstellte.

Etwa im März 1583 siedelte Ambrosius Froben nach Freiburg im katholischen Breisgau um, weil er sich im protestantischen Basel durch zeitweilige katholisierende Tendenzen mißliebig gemacht hatte. Sifroni folgte Froben, obwohl die habsburgische Verwaltung des Breisgaus in Freiburg keine Juden zuließ und er keine Sondergenehmigung erhalten hatte. Um die Jahreswende 1584/85 schließlich wurde Froben jede weitere Tätigkeit in Freiburg verboten, weil er sich nicht offiziell zum Katholizismus bekennen wollte. Er kehrte nach Basel zurück und übertrug seine Druckerei sogleich seinem Sohn und seinem Schwiegersohn. Sifroni folgte Froben diesmal nicht, wahrscheinlich kehrte er direkt in seine italienische Heimat zurück. Erst 1588 tritt Sifroni in Venedig wieder in Erscheinung, wo er bis mindestens 1609 (Venedig Haggada) in der Druckerei von Giovanni di Gara angestellt war.
 
Während der gut eineinhalb Jahre unerlaubten Aufenthalts in Freiburg druckte Sifroni sieben Bücher. Sechs davon, drei hebräische und drei jiddische, haben wir gesichtet, das siebte (hier nicht abgebildete) war uns nicht zugänglich – es handelt sich offenbar um eine jiddische Version des Sefer haJir'ah von Jona Gerondi, die inhaltlich nahezu identisch mit dem Sefer Chaje Olam ist, aber unabhängig davon gedruckt wurde.

Bei den Druckervermerken auf den Titelblättern zu seinen Büchern macht Sifroni, aus Vorsicht wegen der prekären rechtlichen Lage, nur ungenaue Angaben. Seinen Namen gibt er einmal vollständig an (Israel Sifroni aus Guastalla), zweimal nennt er sich der Sifroni, zweimal mit seinem Vornamen Israel (einmal hiervon versteckt im Kolophon) und einmal verschweigt er seinen Namen ganz. Den Druckort gibt er dreimal als in der Provinz Breisgau an (was in der Forschungsliteratur lange Zeit für Verwirrung gesorgt hat), einmal verheimlicht er seinen Aufenthaltsort originell durch ein Bibelzitat (an dem Ort, wo er wohnt, Ex 18,5) und nur auf den beiden Titelblättern, auf denen Sifronis Name überhaupt unerwähnt bleibt, wagt er genauere Angaben zum Druckort: in der Stadt Freiburg in der Provinz Breisgau bzw. in der Provinz Breisgau in der Druckerei des Herrn Frobinio.

Leider ist nicht zu erwarten, daß über die Angaben bei Joseph und Bernhard Prijs (Die Basler hebräischen Drucke. 1964) und Marvin J. Heller (Ambrosius Froben, Israel Zifroni and Hebrew printing in Freiburg im Breisgau. 2005) hinaus viel mehr noch zu Israel Sifronis Freiburger Intermezzo herausgefunden wird. Die tabellarische Übersicht und die Übersetzung der Titelblätter sollen Prijs’ und Hellers Angaben veranschaulichen.

Wir danken den Universitätsbibliotheken in Basel und Freiburg, der Alliance Israélite Universelle in Paris und der Bayerischen Staatsbibliothek in München für die freundliche Erlaubnis zur Sichtung der Originale und Frau Karin Junk M.A. für die Autopsie des Münchner Exemplars des Sefer Chaje Olam.